Das Architektenbüro Dressler BDA hat bei der Sanierung der Gebäude nach der Flut ein besonderes Augenmerk auf die Wiederverwendung historischer Bauelemente gelegt.
Solch einen Auftrag bekommt man als Architekt wohl nur einmal im Leben: Und daher herrschte im Planungsbüro Dressler Architekten BDA auch große Freude, als es von der Stadt Halle (Saale) den Zuschlag für die Sanierung der hochwassergeschädigten Pferderennbahn auf den Passendorfer Wiesen erhielt.
„Wir haben schon zahlreiche Objekte unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten wieder instand gesetzt. Doch dieses Projekt war für uns eine besondere Herausforderung“, bekennt Geschäftsführer Matthias Dressler. Schließlich wurde das gesamte Areal in der Flussaue beim Saale-Hochwasser von 2013 überflutet. Die Schäden waren immens. Drei Meter hoch stand das Wasser, das die Rennbahn in einen See verwandelte.
Das historische Tribünen-Gebäude, das 1913 errichtet wurde, aber auch die beiden denkmalgeschützten Totalisatoren, dort, wo die Wetten angenommen werden, und die Stallungen waren stark in Mitleidenschaft gezogen. Doch mit Hilfe der Förderung durch den Bund konnte die umfangreiche Sanierung der traditionsreichen Galopprennbahn inzwischen so gut wie abgeschlossen werden.
Rund 15 Millionen Euro aus dem Fluthilfefond sind in die Instandsetzung geflossen „Wer sich heute auf der Rennbahn umschaut, der kann sich kaum noch vorstellen, wie es hier nach der Flut mal ausgesehen hat“, sagt Architekt Ronny Meyer, der sich um das ambitionierte Projekt besonders verdient gemacht hat. „Es war von Anfang an unser Bestreben, denkmalgerecht zu sanieren und dabei soviel wie möglich an historischen Strukturen und Bauelementen zu erhalten“, umreißt er die Herangehensweise des Architektenbüros Dressler.
Bei der Instandsetzung des Tribünen-Gebäudes als Herzstück der Rennbahn kam ihnen entgegen, dass die Erbauer das Haus schon vor über hundert Jahren auf Stelzen gesetzt hatten. Diese Pfeiler wurden durch die Beseitigung der ohnehin beschädigten Einbauten wieder freigelegt, so dass künftig das Hochwasser durch das Erdgeschoss strömen kann.
„Alle wichtigen Funktionen für den Rennbetrieb sind ins Obergeschoss verlegt worden“ so Ronny Meyer. Das betrifft unter anderem den Wiegeraum, die Umkleideräume für die Jockeys, die Sanitäranlagen sowie Büros und die Rennleitung. Außerdem entstand dort ein großzügiger, multifunktionaler Veranstaltungsraum, in dem die markante Tragkonstruktion der Tribünendecke sichtbar bleibt. Dieser repräsentative Raum bietet sich für verschiedenste Nutzungen wie Hochzeiten, Konzerte oder Firmenfeiern an. Auch das Erdgeschoss könnte für Messen oder Handel genutzt werden.
Bei der Sanierung des Tribünen-Gebäudes wurden natürlich robuste Materialien verwendet, die einem Hochwasser besser standhalten. Auch Wärmeschutzmaßnahmen und die Instandsetzung der elektrischen Anlagen auf dem gesamten Gelände erfolgten nach heutigen Erfordernissen. Dennoch wurden markante Bauelemente wie Fenster, Sprossenteilung, Markisen oder Türen, dort, wo es ging, nach historischem Vorbild erneuert.
Sichtbar wird das auch im ersten Stallgebäude, das auch noch aus dem Jahr 1913 stammt, also bereits über 100 Jahre alt ist. Hier wurden die ursprünglichen Stalltüren wiederverwendet und auch das Pflaster originalgetreu verlegt. „So bekommt man einen Eindruck, wie es früher in den Ställen ausgesehen hat“, sagt Ronny Meyer, der viel Zeit, Kraft und Enthusiasmus in das ehrgeizige Vorhaben gesteckt hat.
Er ist froh, dass nun auch die neue Toiletten-Anlage am Eingang rechtzeitig vor dem Renntag am 25. Mai fertig geworden ist. Selbst der Führring wurde verschönert. Außerdem sind neue Parkplätze für die Besucher entstanden. Kurzum: Halles Rennbahn ist ein Schmuckstück geworden, das sich lohnt, in Augenschein zu nehmen.
Wolfram Bahn