Ein Jahr voller Geschichte, Glanz und Galopp

Der Galopprennsport lebt – und wie! Ein kleiner Rückblick auf das  deutsche  Turfjahr 2025.

Das Galopprennjahr 2025 hatte alles, was den Pferderennsport faszinierend macht: spektakuläre Siege, historische Premieren, internationale Achtungserfolge – und herzerwärmende Geschichten abseits der großen Bühne. Während auf Deutschlands Rennbahnen rund 860 Rennen an 118 Renntagen ausgetragen wurden, rückten Klassiker wie das Deutsche Derby und der Preis der Diana erneut in den Mittelpunkt des Interesses. Gleichzeitig überzeugten deutsche Pferde auch im Ausland. Und: Lokale Helden wie Trainer Jan Korpas und die Stute Rosel vom Rennstall Passendorfer Wiesen sorgten für emotionale Höhepunkte.

Das bedeutendste Rennen des Jahres, das IDEE 156. Deutsche Derby in Hamburg-Horn, schrieb gleich doppelt Geschichte. Der Sieg des Hengstes Hochkönig, trainiert von Yasmin Almenräder, war bereits eine Überraschung – doch es war die Reiterin, die das Rennen unvergesslich machte: Nina Baltromei triumphierte als erste Frau der Bundesrepublik Deutschland im Sattel eines Derbysiegers. Ein Derbysieg als Reiterin gelang bisher nur, der in Halle immer noch sehr populären, Angelika Glodde in der damaligen DDR auf Sonnenblick (siehe Seite 6).

 Noch bemerkenswerter: Die junge Reiterin Nina Baltromei war zum Zeitpunkt des Rennens offiziell Auszubildende – ein Novum in der über 150-jährigen Geschichte des Rennens.

Auch beim weiblichen Gegenstück, dem als Stutenklassiker bekanntem Henkel-Preis der Diana, gab es 2025 eine Überraschung. Die drei Jahre alte Stute Nicoreni, aus Zucht und Besitz des Gestüts Ebbesloh, gewann unter Jockey Leon Wolff und Trainer Peter Schiergen in souveräner Manier gegen ein international hochklassiges Feld.

Die mit 500.000 Euro dotierte Prüfung in Düsseldorf bewies einmal mehr, dass deutsche Züchter mit ihren Pferden auch im Vergleich mit irischen und britischen Rennställen bestehen können. Nicoreni galt im Vorfeld nur als Außenseiterin – doch mit einer starken Schlussleistung ließ sie Favoritinnen wie „Garden of Eden“ keine Chance.

Der jedoch prestigeträchtigste Renntag des europäischen Rennsports, der Prix de l“Arc de Triomphe in Paris, ging 2025 ohne deutschen Sieger zu Ende. Dennoch blieb der Blick aus deutscher Sicht aufmerksam: Die Diana-Siegerin Nicoreni wagte sich später im Jahr an den Prix de l“Opéra, ebenfalls am Arc-Wochenende gelaufen. Auch wenn es nicht zum Sieg reichte, war ihre Teilnahme ein starkes Signal für die Qualität deutscher Pferde. Den Arc selbst gewann der französische Hengst Daryz in einem dramatischen Finish gegen die favorisierte Minnie Hauk.

Während in Paris, Hamburg und Düsseldorf das Rampenlicht strahlte, schlug das Herz des Turfs auch in Halle (Saale) höher. Die fünfjährige Stute Rosel, im Besitz der lokalen Besitzergemeinschaft Rennstall Passendorfer Wiesen, sorgte bei einem stimmungsvollen Familienrenntag im August dieses Jahres für einen der emotionalsten Momente des Jahres.

Im „Preis der Regionsbeweger“ ließ Rosel unter dem tosendem Applaus der rund 3.500 Zuschauer all ihre Gegner hinter sich und gewann das Hauptereignis des Renntages. Vom einst als „Ladenhüter“ verschrienen Pferd entwickelte sich Rosel zur regionalen Galopplieblingin – ein echtes Märchen auf vier Beinen.

Auch der in Halle (Saale) tätige, erfahrene Trainer Jan Korpas, hatte 2025 Grund zum feiern. So sattelte er in Hannover im September seinen 70. Karriere-Sieger. Korpas – dessen Stall auf den Passendorfer Wiesen beheimatet ist – gilt seit Jahren als tragende Säule des regionalen Rennsports. Seine Erfolge zeigen jedenfalls deutlich, dass auch abseits der großen Zentren werden Spitzenleistungen erbracht werden, die den Sport lebendig halten.

Das Galopprennjahr 2025 hat also einmal mehr eindrucksvoll bewiesen, dass der deutsche Pferderennsport zwischen internationaler Klasse und regionaler Verwurzelung eine gesunde Balance findet. Junge Talente wie Nina Baltromei, etablierte Namen wie Peter Schiergen, überraschende Siegerinnen wie Nicoreni und emotionale Geschichten wie die von Rosel sorgen dafür, dass der Turf seine Faszination nicht verliert.

Mit stabilen Rahmenbedingungen – 13,5 Millionen Euro Rennpreise, 118 Renntage – und einem professionellen Aufbau durch Deutscher Galopp bleibt der Sport gut aufgestellt. Bleibt zu hoffen, dass sich auch das öffentliche Interesse künftig wieder verstärkt den Tribünen zuwendet – denn 2025 hat gezeigt: Der Galopprennsport lebt, und wie.

Ronny Pfeil