Traditionsreiche Sportstätte mit mehr als 110 Jahren Galopprennsporttradition

Die Urväter des halleschen Galoppsports bewiesen einst wahrlich Mut, als sie ihre Rennbahn mitten in der Saaleaue errichteten, denn seitdem ist Hochwasser ihr ständiger Begleiter.

Sogar das 100-jährige Jubiläum des ersten Renntages  auf den Passendorfer Wiesen musste wegen Hochwasser ausfallen – wegen eines Jahrhunderthochwassers sogar. Denn bei Pegelständen von 8,10 Metern, war 2013 an Pferderennen zwischen Halle und Halle Neustadt noch nicht mal im Traum zu denken.

Dabei hatten der Sächsisch-Thüringische Reiter- und Pferdezuchtverein unter der Leitung des Architekten Gustav Wolff durchaus Weitsicht bewiesen, als sie die Anlage, die Galoppsportfreunde heute noch als eine der schönsten und fairsten Pferderennbahnen Deutschlands rühmen, in den  Jahren 1912/13 in der Saaleaue vor den Toren Halles errichteten. Denn schon damals war die Hochwassergefahr bekannt und so wurde die  Tribüne auf einem massiven pfeilerartigen Betonunterbau errichtet.

So konnten die Saalefluten bei Hochwasser bis zu einem Pegel von etwa sieben Metern einfach darunter hindurchströmen, ohne die in sicherer Höhe befindlichen Zuschauerränge, die Gastronomie- und Funktionsräume in Mitleidenschaft zu ziehen.

Dass das in der Neuzeit dann nicht  mehr so klappen wollte, lag zum einen an den höheren Pegelständen und zum anderen daran, dass in den 1950er-Jahren das Untergeschoss mit allerlei Räumlichkeiten zugebaut und somit quasi versiegelt wurde.

Doch wie kamen denn die sächsisch-thüringischen Reiter und Pferdezüchter überhaupt auf die Idee, an einem derart gefährdeten Ort eine Rennbahn anzulegen? Christian Kremtz vom heutigen Rennclub Halle (Saale) weiß dazu Genaueres zu berichten: „Zum einen standen 1912 in und um Halle nur zwei ausreichend großen und ebenen Flächen zur Auswahl und zum anderen  sprach die Nähe zum damaligen Hettstedter Bahnhof und zur Straßenbahn-Endstelle in der Mansfelder Straße für diesen Standort.“

Und so trafen die Herren des Reiter- und Pferdezuchtvereins in enger Abstimmung mit dem Magistrat der Stadt Halle die Entscheidung,  in den Passendorfer Wiesen eine moderne Rennbahn zu errichten- mit Boxenstall, Totalisatoranlage und einer großen überdachten Haupttribüne, die mit ihren 52,5 Metern Länge und ihrer Höhe von rund 17,5 Metern nicht nur ein wirklich anschauliches Beispiel für die elegante Sportarchitektur des späten Jugendstils ist, sondern auch noch heute als Wahrzeichen dieser schönen Auenlandschaft    zwischen Halle und Halle Neustadt gilt.

Am 27. Juli 1913 konnte dann der erste Renntag auf der nagelneuen Bahn abgehalten werden, bei dem selbstverständlich der „Preis der Stadt Halle“ ausgeritten wurde. Der  „Generalanzeiger“ schrieb über dieses bedeutende Ereignis, dass   „eine neue Epoche für die Rennen zu Halle“ angebrochen sei und bemerkte begeistert: „Wie oft haben wir früher neidisch nach Leipzig und Magdeburg geblickt, wo die Renntage stets so glanzvoll verliefen. Vor unserem Auge breitete sich diesmal eine ganz gewaltige Zuschauermenge aus, die den Beweis dafür lieferte, dass die Pferderennen auch in Halle volkstümlich im weitesten Sinne werden dürften“.

Und allein das, hat die Galopprennbahn in Halle (Saale) in den nunmehr 111 Jahren ihres Bestehens, allen Widrigkeiten und Hochwassern zum Trotz, wohl immer wieder eindrucksvoll bewiesen.

WEG