Jan Korpas ist als Trainer aus Hoppegarten nach Halle gewechselt. Im Interview sagt er, was ihm wichtig ist.
Gespräche mit Jan Korpas sind immer ein Erlebnis. Offen. Ehrlich. Geradlinig. Seit dem 1. Januar dieses Jahres ist der 51-jährige Trainer mit seinem Rennstall „Passendorf“ in Halle – und damit Nachfolger von Legende Angelika Glodde. Zuvor war der gebürtige Slowake in Berlin-Hoppegarten. „Immer nach vorn, hinterher kann jeder“, lautet sein Motto. Im Interview erzählt er, was er damit meint.
Herr Korpas, sind Sie mit dem Herzen in Halle angekommen? Gefällt Ihnen die Bahn?
Jan Korpas: Die Stadt gefällt mir besser als Berlin. In Neustadt kann man gut einkaufen. Und die Altstadt wurde nicht zerstört. Ich liebe die alten Häuser. Und selbst wenn es voll ist, hat man Zeit für sich. In Berlin schieben Dich die Massen durch die Stadt. Hier nicht.
War es für Sie ein Kulturschock – der Wechsel aus dem schillernden Hoppegarten ins beschauliche Halle?
Ich brauche den Schickimicki nicht. In Berlin, Baden-Baden oder Prag gibt es Rennställe mit 100 Pferden und mehr. Das ist nicht mein Ding. Ich möchte mit Pferden individuell trainieren, alle ihre Stärken und Macken kennen. Das geht in großen Ställen nicht. Ich muss die Pferde sehen und fühlen. In Halle habe ich die Bahn zudem für mich alleine. Es ist ein Park mitten in der Stadt. Die Bahn wurde nach dem Hochwasser toll saniert. Die Leute sind hilfsbereit. Ich fühle mich wohl.
Mit 159 Siegen in Galopp- und Hindernisrennen waren Sie selbst ein erfolgreicher Jockey. Warum ist es kein Selbstläufer, dann auch ein guter Trainer zu sein?
Ohne harte Arbeit wird es nichts. Meine Karriere verdanke ich meiner Mutter – wenn das auch sehr speziell gewesen ist. Sie hat immer gesagt, dass aus mir nichts werde, dass ich ein Taugenichts sei. Also habe ich mit 14 meinen Koffer gepackt und bin an die Jockeyschule nach Prag. Anfangs konnte ich nichts und musste erst einmal das Reiten lernen. Aber irgendwie war es auch immer mein Traum, einmal Trainer zu sein.
Ihnen eilt der Ruf voraus, dass Sie scheinbar hoffnungslose Rennpferde zu Siegern machten können. Wie geht das?
Ich glaube eben nicht, dass ein Rennpferd per se schlecht sein soll. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich weiß, woher ich komme. Als Jugendlicher wog ich nur 35 Kilo, hatte keine Kraft, aber ein Gefühl für Pferde. Vielleicht hat mir das ja Gott gegeben. Ich kenne keine ausweglosen Situationen. Als ich auf der Jockeyschule war, musste ich ein Jahr lang nur ausmisten oder Hafersäcke schleppen. Aber während andere etwa in den Ferien zu ihren Familien gefahren sind, bin ich im Internat geblieben und habe alles aufgesaugt, was mir meine Trainer beibringen konnten. Heute schaut man nur, wer wie viele Siege hat und nicht hinter die Kulissen. Diese Oberflächlichkeit stört mich.
Nun sind Sie in Halle, abseits der großen Galoppsport-Welt. Ist es schwierig, Besitzer für Halle zu begeistern?
Ach, das ist auch in Hoppegarten kein Selbstläufer. Die Frage ist, wie abhängig man sich macht. Ich brauche nicht einen Besitzer, der 25 Pferde in den Stall stellt und dann wieder abhaut. Ich möchte etwas Nachhaltiges aufbauen.
Sie trainieren aktuell 20 Pferde. Wie lauten denn Ihre Vorstellungen für die Zukunft? Ist auch ein eigener Stalljockey ein Thema?
30 bis 40 Pferde wären schon gut. Aber dafür braucht man auch das Personal. Wenn man keine guten Leute findet, dann arbeite ich lieber mit weniger Pferden. Ich mag keine halben Sachen, deshalb reite ich im Training auch selbst. Aber ja, ein Stalljockey wäre schon gut. Ich werde schließlich nicht jünger. In meiner Heimat schaue ich schon nach Talenten, die man dafür gewinnen könnte. Ein Stalljockey hat zudem den Vorteil, dass er die Pferde kennt und mit ihnen auch in den Rennen erfolgreich sein will.
Sie haben den Rennstall „Passendorf“ mit einem Geschäftspartner gegründet. Erste Erfolge gab es auch schon. Wie sind Sie mit Ihrem Start als Wahl-Hallenser zufrieden?
Ich habe bislang keinen Euro verdient. Für mich ist wichtig, dass ich meine Leute und den Tierarzt bezahlen kann. Ich muss kein Millionär sein, um glücklich zu werden. Mir reicht es, wenn ich so viel Geld habe, dass ich einmal im Jahr für zwei Wochen in warme Länder reisen kann. Ich leide unter starkem Rheuma, die Schmerzen sind höllisch. Wärme tut mir gut. Ansonsten genieße ich es, bei meinen Pferden zu sein. Manchmal, wenn ich nachts nicht schlafen kann, beobachte ich sie im Stall. Das gibt mir Ruhe.
Dirk Skrzypczak